Für das Wort und die Freiheit

Eine Woche für die Menschenrechte

© John Steinmark
Die Jugendlichen vor der Zentrale von ARTE in Straßburg © John Steinmark
Der Börsenverein brachte vom 15. bis 22. Juli mit einem Jugendcamp etwa 30 deutsche und französische Teilnehmer zusammen, die sich für die Meinungsfreiheit und die Menschenrechte stark machten. Ein Erlebnisbericht.

Die Teilnehmer im Alter von 15 bis 18 Jahren beschäftigten sich anhand von mehreren Aktivitäten und Exkursionen mit diesem Thema. Workshops, Seminare, ein Treffen mit der Autorin Tanja Kinkel und dem Exiljournalisten Hayko Bağdat, sowie ein Rhetoriktraining ermöglichten es, gegenseitiges Zuhören zu fördern und die Denkweisen einer anderen Kultur kennenzulernen.

Im Laufe der Woche verwirklichten die Jugendlichen verschiedene Web- und Videoprojekte  mit den Themen Demokratie und Meinungsfreiheit. Dieser Artikel ist einer der Ergebnisse, er berichtet von der erlebten Woche und den erreichten Zielen.

Als weiteres Resultat des Camps werden vier Teilnehmer zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse im Oktober kommen und das Projekt vor über 2.000 Zuschauern präsentieren.

von Faustine Champain


Das Abenteuer „Du hast das Wort“ begann am Samstag – mit 29 Jugendlichen aus Frankreich und Deutschland, die im mediacampus eintrafen. Freundlich wurden diese vom Börsenverein begrüßt, allen voran von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Im Interview mit den Anwesenden des Camps sprach Skipis, der Ideengeber des Jugendcamps, über die Bedeutung der Meinungsfreiheit und über die deutsch-französische Freundschaft.

Nach der Begrüßung fand ein Kick-off-Fest mit Essen vom Grill statt, bei dem die Teilnehmer die Möglichkeit bekamen, einander kennenzulernen. Sprachbarrieren waren bald nicht mehr von Bedeutung und die Jugendlichen tauschten schnell ihre Eindrücke und Ansichten aus.

Seilspringen, Holztürme und ein See voller Säure – das war der zweite Tag des Jugendcamps. Zusammen mit Jugendcoach Sebastian Süß widmeten die Teilnehmer der Veranstaltung den ganzen  Sonntag dem Teambuilding.

Dazu gehörte auch, zu dreißigst über ein Seil zu springen, in Gruppen einen acht Meter hohen Turm aus Bambus zu bauen, und eine Flasche aus einem „See voller Säure“ zu holen – und das alles im ständigen Bemühen, zusammen zu arbeiten.

Am Abend wurde zur Auflockerung des Programms ein Kinoabend veranstaltet, bei dem die deutsch-französischen Teilnehmer zusammen den Film „Monsieur Claude und seine Töchter“ schauten. Die tatsächliche Arbeit begann am Montag, dem Tag, an dem die Jugendlichen ihre Projekte begannen. Aufgabe der Woche war, Artikel bzw. Kurzfilme in Video- und Webworkshops zu erstellen, die sich in Reportagen- oder Interviewform mit dem übergeordneten Thema Meinungsfreiheit auseinandersetzen.

Zum Vertiefen dieses Themas wurde am Nachmittag die Paulskirche in Frankfurt besichtigt, die einst Schauplatz der Frankfurter Nationalversammlung war, und als Symbol für erste Demokratiebemühungen in Deutschland gilt.

Bei diesem Ausflug nach Frankfurt hatten die Teilnehmer außerdem die Möglichkeit, Passanten zu interviewen und sich bei ihnen über ihre Ansichten zu Demokratie und Meinungsfreiheit zu erkundigen. 

Wie sieht Demokratie und Meinungsfreiheit in Frankreich aus?

Dieser Frage ging das Camp am Dienstag nach, nachdem es per Bus nach Straßburg aufgebrochen war. Dazu besuchten die Teilnehmer den Europarat und ließen sich beim Fernsehsender Arte das Konzept des europäischen Senders erklären. Einige der Gruppen hatten abermals die Möglichkeit, Passanten nach ihrer politischen Meinung zu fragen. Außerdem konnten die Besucher den regionalen Flammkuchen probieren und sich einen Eindruck von der „Hauptstadt Europas“ verschaffen. 

Richtig streiten: Der Mittwochvormittag gehörte dem Rhetoriktrainer Marcel Hinderer, der bereits zahlreichen jungen Menschen das Debattieren beibrachte. Die Gruppe verbesserte mit ihm ihre Sprache, ihren Erzählstil und ihre Haltung. Und sie bekam auch bald eine Chance, dieses neuerlernte Wissen einzusetzen:

Autorin Tanja Kinkel stattete dem mediacampus zusammen mit dem türkischen Exiljournalisten Hayko Bağdat und einigen Funktionären des Börsenvereins einen Besuch ab. Zwei Stunden hatten die Teilnehmer Zeit, um Fragen zu stellen, Eindrücke zu gewinnen, sich inspirieren zu lassen. Auch nach der offiziellen Fragerunde blieb ein Großteil der Anwesenden bei den Besuchern, denn vielen reichte das Erfahrene noch nicht, sie wollten weitere Interviews, weitere Geschichten. Besonders Hayko Bağdats Erzählungen über seine ereignisreiche Karriere fesselten die Zuhörer, und viele baten um ein Foto mit ihm.

Einen Einblick in das Leben eines Journalisten bekam die Gruppe am Donnerstag, als das Camp die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ besuchte. Alexander Haneke nahm sich zwei Stunden Zeit, die zahlreichen Fragen rund um Journalismus und das Zeitungswesen zu beantworten.

Nach der Rückkehr der Jugendlichen erwartete das Camp ein ganz besonderer Gast. Der Schriftsteller und Geschichtenerzähler Naceur Charles Aceval faszinierte sein Publikum mit Märchen aus seinem Heimatland Algerien und stellte außerdem seine Bücher vor. Aceval sprach dabei unter anderen über sein Leben in einer Nomadenfamilie und über die Bedeutung des gesprochenen Worts. „Im Wesentlichen sind der Erzähler und der Zuhörer eine Einheit“, gibt Aceval preis.

Als sich das Jugendcamp am Freitag dem Ende näherte, beendeten alle Mitwirkenden ihre Artikel und Videos zum Thema Meinungsfreiheit. Die Teilnehmer des Web-Workshops verschriftlichten ihre Ergebnisse und wählten Fotos für ihre journalistische Arbeit aus, die Videogruppe bearbeitete ihr Filmmaterial.

Den Abend verbrachten alle gemeinsam, um bei der Abschiedsfeier die Woche abzuschließen.

„Wir alle haben hier sicher sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht“, bilanziert Teilnehmerin Katja Boualam. „Aber mir werden viele Momente, viele Gespräche mit den Menschen hier in Erinnerung bleiben. Sie haben mir nochmals verdeutlicht, warum es so wichtig ist, sich mit Themen wie Meinungsfreiheit auseinanderzusetzen und sich zu engagieren.“ 

von Leonie Reese


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