Für das Wort und die Freiheit

05.06.2018

Platz 148: Die Presse- und Meinungsfreiheit in Russland und Kasachstan

Fußball und Politik lassen sich nicht trennen. „Wer in den kommenden Wochen über Fußball reden möchte, darf über die politischen Verhältnisse in Rußland nicht schweigen“ – unter diesem Motto lud die IG Meinungsfreiheit des Börsenvereins am vergangenen Dienstag zu einem Gespräch mit dem russischen Journalisten Sergej Zolovkin und dem Berliner Verleger Christoph Links in die Münchner Buchhandlung Lehmkuhl ein. Im Mittelpunkt der gut besuchten Veranstaltung stand die Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit im Gastgeberland der WM.

Sergej Zolovkin, der seit 2002 im deutschen Exil lebt und als Korrespondent für die Novaja Gazetta arbeitet, berichtete von der Zerschlagung einst freier und regimekritischer Zeitungen, Fernsehsender und Radiostationen seit Putin im Jahr 2000 an die Macht kam. Er trug die vielfältigen, teils brachialen, teils subtilen Methoden der Zensur und Unterdrückung zusammen, die von Christoph Links mit einem Exkurs über Kasachstan, dem Geburtsland Zolovkins, ergänzt wurden. Die Lage ist in beiden Ländern desaströs. Die Reporter ohne Grenzen listen Rußland auf Platz 148 und Kasachstan auf Platz 158 des Länderrankings zur Pressefreiheit (von 180 Staaten). Beide Staatschefs, Putin wie Nasarbajew, gelten den Reportern als „Feinde der Pressefreiheit“. Kritische Medien und Journalisten werden mit ökonomischen und juristischen Methoden, mit Schikanen, Repressionen und gezielter Desinformation im digitalen Netz ausgeschaltet – Christoph Links und Sergej Zolovkin konnten das anhand zahlreicher Beispiele illustrieren. 

Zolovkin arbeitete bis 2002 in Sotschi als investigativer Journalist und konnte einige Fälle von Machtmißbrauch und Korruption für die Novaja Gazetta aufdecken. 2002 entging er nur mit großem Glück einem Mordanschlag und wählte den Weg ins deutsche Exil. In den ersten Jahren engagierte sich das Writers-in-exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums für Zolovkin und gab ihm ein erstes Auskommen. Die Münchner Schriftstellerin Franziska Sperr, die seit vielen Jahren die Stipendiaten des Programms begleitet, ergänzte die Diskussionsrunde bei Lehmkuhl mit einem Bericht über die vom PEN unterstützten Exilautoren.

Was er sich von deutscher Seite aus in den kommenden Wochen der WM wünschen würde, wurde Zolovkin zum Schluss gefragt. Es gebe keine Pause für die politische Beurteilung des russischen Regimes, Unrecht bleibe jederzeit Unrecht und müsse auch jederzeit so beurteilt und benannt werden – so der Schlusssatz des Journalisten.